Mediengestalterklasse 3MT2 besucht Antenne und Pressehaus-Druckerei

Wir werden freundlich begrüßt im Pressehaus-Foyer zur Führung von Christine Wagner von der Stuttgarter Zeitung. Sie weist auf die enge Kooperation zwischen StZ und StN hin und konstatiert, dass seriöser Qualitätsjournalismus Geld koste und nicht zum Nulltarif zu haben sei. "Zeitungen haben seit langem den Auftrag, die vierte Gewalt im Staat zu sein. Wir haben den Anspruch auf Glaubwürdigkeit," so Wagner. Rund 200 Redakteure und etwa 3000 Zusteller arbeiten für die beiden großen Stuttgarter Zeitungen, 90 Prozent der Leser sind Abonnenten. Auf ihre Frage, wer von den Mediengestaltern Zeitung lese, meldet sich keiner, sie besorgen sich ihre Informationen lieber digital.
 
Dann zeigt sie uns die riesige Rollenoffset-Druckmaschine, die freilich am frühen Nachmittag noch nicht läuft. Die erste Ausgabe, die nach ganz Deutschland verschickt wird, geht im 18.30 Uhr in Druck, bis 0.30 Uhr wird ständig aktualisiert. Gesteuert wird die 70 Meter lange Druckmaschine von diversen Leitständen aus, die für jeweils einen Druckturm zuständig sind. Die nackten Zahlen: Wenn sie auf Höchstgeschwindigkeit läuft, druckt sie 42.500 Exemplare pro Stunde. Jährlich bedruckt sie 27.000 Tonnen Papier.
 
Dann noch in den Versand, wo maschinell die Beilagen eingefügt werden, die Zeitungen zu Paketen verpackt und dann in die bereit stehenden Lieferwagen geladen werden. Zum Schluss gibt es eine kleine Erfrischung, dann geht's gleich weiter zu antenne 1.
 
Programmchef Alexander Heine empfängt uns persönlich und macht die Führung mit uns. Er stellt klar, dass Privatradios "reinrassige Wirtschaftsunternehmen" seien und sich über Werbung finanzierten. Zulässig seien dabei Werbezeiten bis 12 Minuten pro Sendestunde. "Alle, die hier arbeiten, wollen ans Mikro. Wer beim Radio arbeitet, muss jeden Tag neugierig sein und neugierig bleiben auf das, was kommt, denn kein Tag gleicht dem anderen. Wer damit nicht klar kommt, passt hier nicht rein."
 
An der sogenannten Wall of Fame hängen Fotos mit Unterschriften von internationalen Stars, die schon bei antenne waren. James Blunt sei sehr nett, aber überraschend klein gewesen, erzählt Heine aus dem Nähkästchen, Samu Haber habe unplugged hier gesungen und demnächst komme die Band Welshly Arms zum Interview.
 
Dann in den ersten Stock zu Produzent Alexander Kneisel. Er sorgt dafür, dass das, was nicht live in der Sendung gemacht werden kann, vorproduziert wird: Jingles, Trailer, Openings für Nachrichten, aber auch Comedy-Produktionen, z.B. mit Dodokay, der bei seinen Beiträgen alle Stimmen, auch die weiblichen, selbst einspricht. Wichtig ist beim Hörfunk natürlich auch die Atmo - um die realitätsnah zu generieren, greift Kneisel auf die englischsprachige Effect Library, eine Datenbank, in der mehr als 110 000 Geräusche vom Schnarchen über das Quietschen eines Autoreifens beim scharfen Bremsen bis zum Knistern eines Lagefeuers aufgerufen und für Audio-Produktionen eingesetzt werden können.
 
Und dann geht's rein in die Livesendung mit Moderatorin Saskia Hintzen. Ihre Moderationstexte hat sie vorab selbst erstellt, nun hat sie sie am Bildschirm vor sich, aber die Kunst darin besteht, sie nicht einfach vorzulesen, sondern so als wären sie freigesprochen zum Hörer rüberzubringen. Sie fährt die Sendung technisch auch selbst, spielt die Songs ab und die Werbung ein, macht die Verkehrsmeldungen, nur die Nachrichten kommen vom News-RvD. 4-5 Stunden dauert eine Sendeschiene, da ist höchste Konzentration gefordert und Geistesgegenwart gefragt.
 
"Es war schon sehr spannend, vor allem der Besuch bei antenne. Aber so einen Moderatorenjob möchte ich nicht machen, das wär mir zu stressig," sagt Lena und Svenja nickt zustimmend. Und Tim findet: "Mir hat auch die Führung bei antenne besser gefallen, wie es in einer Druckerei zugeht, weiß ich eigentlich, wenn auch nicht in diesen Dimensionen."


Text: A. Tennigkeit
Fotos: W. Aust