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Hannes G. ist ein fiktiver Nachkomme von Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks im 15. Jahrhundert und Namensgeber unserer Schule. Hannes G. lebt im 21. Jahrhundert und geht als aufgeweckter und aufmerksamer Beobachter durchs Leben. Wenn ihm etwas auffällt, meldet er sich zu Wort, heute über einen Schriftsteller, der am 15. Mai 2011 einhundert Jahre alt geworden wäre:


Warum nicht mal Frisch? Hannes G. zum 100sten Geburtstag des Autors Max Frisch

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Am 15.5. wäre Max Frisch 100 Jahre alt geworden. Ganz sicher jetzt also kein schlechter Zeitpunkt, sich dem Lebenswerk eines der bedeutendsten Schweizer Autoren des 20. Jahrhunderts einmal etwas näher zuzuwenden. Der gebürtige Züricher war gelernter Architekt und hat zunächst auch in diesem Beruf gearbeitet, sich dann aber bereits nach seinen ersten literarischen Erfolgen ganz der Schriftstellerei verschrieben. Bei Frisch mischt sich Autobiografisches mit Erfundenem, seine Bücher sind Plattformen des Reflektierens über das eigene Sein in einer sich ständig wandelnden Welt.

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Den Durchbruch schafft der passionierte Pfeifenraucher und Hornbrillenträger 1954 mit seinem Roman "Stiller", einem umfangreichen Werk, in dem der Protagonist Ludwig Anatol Stiller eine vielschichtige Identitätssuche durchmacht. Er, der auf der Flucht zu sein scheint vor sich selbst und stets ein anderer sein will als er ist, entkommt sich letztlich jedoch nicht, weder am Anfang in einem grotesk anmutenden Szenario in einem Gefängnis an der deutsch-schweizer Grenze, noch sehr viel später in einem Sanatorium im Engadin. Was an Stiller fasziniert, ist die fast atemlose Intensität, mit der Frisch dem Leser Einblick in das Innenleben seines Titelhelden gibt.

1957 erscheint sein zweiter Erfolgsroman "Homo Faber", ein fein ausgetüftelter, fast architektonisch aufgebauter Roman. Die Handlung spielt in einem kosmopolitischen Setting, beginnt mit einem spektakulären Flugzeugabsturz im mexikanischen Dschungel und führt via Schiffsreise über den Atlantik nach Europa, um nach Stationen in Frankreich und Italien dann in Athen zu enden. Erzählt wird die Geschichte des Schweizer Ingenieurs Walter Faber, der schließlich in einem Athener Krankenhaus sein Leben noch einmal Revue passieren lässt und reflektiert. Das Buch ist spannend und endet nach vielen Verwicklungen offen, für den Leser bleibt ungewiss, ob Faber die anstehende Magenoperation überlebt oder nicht. Volker Schlöndorff hat in enger Zusammenarbeit mit Max Frisch kurz vor dessen Tod "Homo Faber" verfilmt. Die Premiere des Kinostreifens sollte Frisch nicht mehr erleben, er verstarb kurz zuvor 1991 in seiner Heimatstadt Zürich.

Max Frischs Verhältnis zu seiner deutschschweizer Heimat war zeitlebens kein einfaches. Einerseits rieb er sich an der räumlichen und geistigen Enge, die er dort zu beobachten glaubte, reiste viel und lebte lange im italienischsprachigen Tessin und im Ausland, andererseits bleibt er in seiner Sichtweise immer Europäer und Schweizer. Besonders deutlich wird das in seiner 1975 erschienenen Erzählung "Montauk", die Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki in seinem Ranking zu den besten 20 deutschsprachigen Prosawerken zählt.

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Montauk auf Long Island. Foto: Wolfgang Wander

Das letzte Wochenende vor seinem Rückflug nach Europa verbringt der Ich-Erzähler, ein Autor auf Lesereise durch die USA, mit seiner sehr viel jüngeren Partnerin, der amerikanischen Verlagsangestellten Lynn, in dem mondän-maritimen Ort Montauk auf Long Island am Atlantik bei New York. Sprachlich reduziert bis auf das Alleräußerste, weit weniger weitschweifig als in "Stiller" und "Homo Faber", sinniert der Autor hier aus der Ich-Perspektive über Vergangenes und Zukünftiges.

Am Ende gehen beide mit einem schlichten "bye" auseinander und es ist klar, dass es kein Wiedersehen geben wird. An der Kreuzung zwischen First Avenue und 46th Street blickt der Schriftsteller Lynn nach, die sich aber nicht noch mal nach ihm umdreht.

Fazit: Wer sich mit den letztlich zeitlosen Fragen nach der Identitätssuche und Identitätsfindung im menschlichen Leben und nach dem Wert von echten zwischenmenschlichen Beziehungen in einer immer komplizierter werdenden Welt auseinandersetzen will, findet in den Werken von Max Frisch Anregungen zum eigenen Weiterdenken. Deshalb: Warum nicht frisch und neu entdecken, was so gar nicht angestaubt ist?

Zum 100sten von Max Frisch gibt es "Stiller", "Homo Faber" und "Montauk" als Teile einer Sonderausgabe im Suhrkamp-Verlag, zudem ist aus diesen Anlass ein aufwendig gestalteter Bildband (Volker Hage (Hrsg.), Max Frisch - Sein Leben in Bildern und Texten, 24,90 Euro) mit teilweise bisher unveröffentlichen Fotos und drei unterhaltsamen und amüsanten Interviews des Herausgebers mit dem Autor erschienen.

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