Auf den Spuren von Kepler und Hesse: Mediengestalter auf Exkursion im Kloster Maulbronn

Es wird renoviert in Maulbronn: Klosterhof mit Kirche und Vorhalle.
Im fächerübergreifenden Projektunterricht Deutsch und Kommunikation suchten sich die Berufsschüler der Mediengestalter-Klasse 2MT3 zunächst ein Thema für ein Referat und eine Präsentation, das mit der UNESCO-Weltkulturerbestätte Kloster Maulbronn verknüpft sein musste, recherchierten erst im Internet nach geeignetem Material (23. und 26. Mai) und ergänzten dies dann durch selbstgemachte Fotos und Interviews direkt vor Ort. Am 30. Mai wurden dann die Ergebnisse in der Klasse präsentiert.
Freitag, 27.5.2011. Ortstermin. Die 2MT3 trifft sich vor dem Eingangstor der ehemaligen Zisterzienser-Klosteranlage Maulbronn. In kleinen Teams von drei bis vier Leuten gehen die Berufsschüler mit einem klaren Plan im Kopf zum Beispiel der Frage nach, wie das Klosterleben hier vor mehreren hundert Jahren aussah. Oder sie finden heraus, warum der Physiker Johannes Kepler hier an der Maulbronner Seminarschule hervorragende Grundlagen vermittelt bekam für sein späteres Forschen und weltweites Wirken, ein anderer großer Geist aber, der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse, nur wenige Tage blieb und dann Hals über Kopf flüchtete, weil er das Internatsleben als unerträglichen Eingriff in seine persönliche Freiheit empfand.
Heutzutage bevölkern Touristen aus nah und fern das ehemals klösterliche Terrain und erfreuen sich an lebendiger Geschichte und einheitlich gestalteter Architektur, stöbern etwas im Klosterbuchladen herum und setzen sich früher oder später in eines der Restaurants.

Das Rathaus in Maulbronn, das auch als Standesamt genutzt wird.
Das Maulbronner Rathaus liegt hier in der Anlage, eine kleine Apotheke gibt es auch. Ein Brautpaar, nicht mehr so ganz jung, kommt mit den Trauzeugen vom Standesamt, das auch hier untergebracht ist. Vier schmucke Reiterinnen stehen hoch zu Pferd Spalier und eskortieren die kleine Hochzeitsgesellschaft. Plötzlich schiebt sich eine Polizeistreife im Schritttempo quer durch die Touristengruppen. Kein Grund zur Sorge, das örtliche Polizeirevier ist ebenfalls hier untergebracht. Business as usual also: Menschen leben und arbeiten hier. Auch heute noch.
Das Internat in evangelischer Trägerschaft gibt es immer noch, gegründet wurde die Schule bereits im 16. Jahrhundert. In der Pause hocken ein paar Oberstufenschüler auf einer Mauer vor der Eingangstür, Mediengestalter-Azubi Robin Wörn spricht sie an und will wissen, ob sie denn auch ganz freiwillig hier seien. Ja klar, sagt einer, eine fügt relativierend hinzu, so mehr oder weniger, weshalb das so sei, will sie jedoch nicht verraten.
Wo denn der dreischalige Brunnen, der bei Wikipedia so toll ausgesehen habe, zu finden sei, will man nun wissen. Der befinde sich im Inneren der Klosteranlage, um ihn besichtigen zu können, müsse man acht Euro zahlen, das lohne sich aber eher nicht, da er wegen laufender Umbauarbeiten derzeit gar nicht in Betrieb sei. Eine Information, die Robin, Manuel und Paul weiterhilft. Sie beschließen, das Foto vom Brunnen mit Quellenangabe aus dem Internet herunterzuladen für ihre Präsentation und den Geldbeutel dafür zu schonen.

Das Wahrzeichen des Klosters Maulbronn: der dreischalige Brunnen.
"Eine runde coole Sache, wir hoffen natürlich auf gute Noten für etwas, das wirklich Spaß macht", findet Paul und schaut zusammen mit Robin und Manuel das eingefangene Bildmaterial auf seiner Digi durch. "Okay, wir haben alle Fotos und Informationen, die wir brauchen", meint Manuel sichtlich zufrieden und Robin ergänzt: "Wie wir das für Montag aufbereiten, besprechen wir auf der Heimfahrt, der Rest läuft dann am Wochenende per Mail zwischen uns."
Montag, 30.5, 8 Uhr an der JGS. Es gilt nun, die Ergebnisse zum selbstgewählten Thema Hermann Hesse in der Klasse zu präsentieren, zwei Tage danach muss auch die textliche Ausarbeitung zu einem fünfseitigen Kurzreferat stehen. Das alles freilich nicht umsonst: Die Präsentation zählt soviel wie eine Klassenarbeit im Fach Kommunikation, das Referat wie eine Klassenarbeit in Deutsch.
Robin, Manuel und Paul präsentieren ihre Ergebnisse als erstes von sieben Teams im Klassenraum. Sie sind gut vorbereitet, kleben eine selbsterstellte Timeline mit den wichtigsten biografischen Daten von Hermann Hesse an die Tafel und heften dann während des Sprechens sukzessive die ganze Vielzahl von Orten, an denen der Autor gelebt hat, hinzu, so dass ihre Mitschüler schnell einen Überblick über dessen Vita bekommen: geboren 1877 in Calw, Umzug der Familie nach Basel, die Rückkehr nach Württemberg mit dem sehr kurzen Intermezzo 1891 in Maulbronn, Buchhändlerlehre in Tübingen, Heirat und Umzug nach Gaienhofen am Bodensee, später in die Schweiz, dort zunächst nach Bern und schließlich in den Tessiner Ort Montagnola, wo Hesse dann endlich seinen Platz findet und mehr als vierzig Jahre bis zu seinem Tod 1962 lebt.

Hermann Hesse 1927.
Dann skizzieren sie die wichtigsten literarischen Stationen im Werk Hesses wie den frühen Roman "Peter Camenzind", die Klassiker "Der Steppenwolf" und "Siddharta" und das Spätwerk "Das Glasperlenspiel" und würzen ihre Darstellung mit ein paar originellen Details wie etwa der Tatsache, dass Hesse mehr als 30000 Briefe von seinen Lesern bekommen und nachweislich mehr als die Hälfte davon selbst schriftlich und eigenhändig beantwortet hat.
Ganz sicher kein einfacher Mensch, dieser Hermann Hesse, so lautet die abschließende Einschätzung von Robin, Paul und Manuel nach ihrer mehrtägigen Auseinandersetzung mit Leben und Werk des Autors, aber einer, der auch in schweren Zeiten nie aufgegeben und ständig für sein Glück gekämpft hat und deshalb einer, dem es wirklich zu gönnen ist, dass er es mit seiner dritten Frau Ninon Dolbin dann schließlich im Tessin auch gefunden hat.
Fotos: Albrecht, Gläßler, Häcker, Schneider, Widmann / Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
