Ausbildungsberufe hautnah erleben

Ganz nach diesem Motto zogen die Jugendlichen der sogenannten VABR-Klasse1 der JohannesGutenberg-Schule am Berufserkundungstag am 3. Dezember los: Drei Stationen, drei Betriebe und drei Berufsfelder mit Zukunftschancen. Dabei hatten sie die Möglichkeit, direkt mit den Chefs der Betriebe zu sprechen, Fragen zu stellen und sich wertvolle Tipps und Kontakte rund um Ausbildung und Beruf zu holen. Die meisten jungen Menschen der VABR-Klasse sind aus ihrer Heimat geflüchtet, einige kommen aus den europäischen Ausland, einige sind hier geboren. Alle haben ein gemeinsames Ziel: Den Hauptschulabschluss schaffen und einen Ausbildungsplatz finden.

Guten Morgen! Ich grüße Sie!“ ruft ein Bewohner freudig der Gruppe Jugendlicher entgegen und ergänzt: „Lauter freundliche junge Gesichter!“ Die Senioren sitzen gerade am Frühstückstisch. Frau Eder, Sozialarbeiterin in der Verwaltung, gibt den Jugendlichen eine Führung durch das AWO Seniorenzentrum Pfostenwälde. „Die Freude an der Arbeit mit älteren Menschen – darauf kommt es an, wenn man hier eine Ausbildung machen möchte.“ Und fügt hinzu: „Ich mache meine Arbeit wirklich gerne, denn ich bekomme so viel Positives von den Senioren zurück.“. Herr Mager, der Einrichtungsleiter des Hauses, ist für das Personal zuständig und gibt einen Überblick, welche Ausbildungsmöglichkeiten es in seinem Seniorenzentrum gibt. Hier arbeiten Menschen aus vielen unterschiedlichen Nationen. Bei Mojtaba ist der Funke übergesprungen: Er möchte beim Pfostenwäldle ein Praktikum machen.

Nächste Station: Die Backstube der Bäckerei Konditorei Sailer, ein Familienunternehmen mit Tradition. „Die Chemie zwischen dem Azubi und uns muss einfach stimmen, damit man drei Jahre gut zusammenarbeiten kann“, berichtet Bäckermeister Gerhard Sailer aus Erfahrung. In der Backstube herrscht geschäftiges Treiben und es duftet nach frischem Brot. Teig wird angerührt, Brezeln geschlungen, Brotlaibe in große Backöfen geschoben. „Wer als Bäcker arbeiten will, muss gerne früh aufstehen. Aber daran gewöhnt man sich schnell und man hat dafür um 12 Uhr Feierabend“, meint Sailer. In der Konditorei ist in der Adventszeit gerade die Hochphase der „Gutsle“-Produktion – schwäbisch für Weihnachtsplätzchen. Ghazwans Augen leuchten beim Anblick der Brote im Backofen. Er kann sich die Arbeit als Bäcker gut vorstellen und fragt gleich nach, ob er ein Praktikum in der Bäckerei machen kann.

Szenenwechsel: Bauunternehmen. Axel Rahm ist Geschäftsführer der Bauunternehmung Karl-Heinz Rahm. „Interesse, Höflichkeit und Respekt – damit kommt ihr sehr weit im Leben“, gibt Rahm den Jugendlichen mit auf den Weg. Dabei betont er, dass ihm diese Werte auch bei seinen Azubis besonders wichtig sind. „Ihr müsst ausprobieren, was zu euch passt, wo eure Stärke liegen und was euch Spaß macht“, rät er den Jugendlichen. „Macht Praktika und schnuppert mal in einen Betrieb rein“. Dabei merkt man, dass es eine Herzensangelegenheit des engagierten Geschäftsführers ist, Jugendliche auf ihrem Weg zu unterstützen und ihnen ein gutes Vorbild zu sein. Zum Abschluss des Tages geht es noch auf eine „Rahm-Baustelle“. Der Azubi vor Ort gibt den Jugendlichen wertvolle Tipps und Erfahrungen mit, die ihm selber auf seinem Weg geholfen haben.

Dann endet der rundum gelungene Berufserkundungstag, bei dem die Jugendlichen verschiedene Ausbildungsberufe einmal „hautnah“ erleben konnten. Damit die Ausbildung der motivierten jungen Erwachsenen erfolgreich gelingen kann, braucht es jedoch noch mehr: Eine gezielte Lernförderung in Deutsch, prüfungsrelevanten Fächern und berufsspezifischer Fachsprache.Das Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf in der Regelform (VABR) ist eine Regelklasse des Berufsvorbereitungssystems in Baden-Württemberg, die auch neu zugwanderten Schülerinnen und Schüler einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Bildungsstand erwerben können.

Lucie Bieber (Jugendmigrationsdienst im Quartier, AWO Stuttgart)

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