Ein großer Brückenbauer wird fehlen – Renommierter Germanist Böschenstein gestorben

Er gehörte zu den ganz Prominenten seines Fachs: der Genfer Germanist Bernhard Böschenstein. Sein literaturwissenschaftliches Handwerk hat er bei Emil Staiger gelernt, Goethe und Hölderlin standen bei ihm ganz hoch im Kurs, Letzterem widmete er seine Dissertation. Im 20. Jahrhundert interessierte er sich für die Lyriker der klassischen Moderne: Trakl, Rilke, Hofmannsthal.

1931 in Bern geboren, wuchs er als Sohn eines Auslandsjournalisten auch in Paris und Berlin auf, die Zweisprachigkeit kam später literarisch inspirierten Übersetzungen zugute wie Paul Valerys “Windstriche”.

Bereits 1964 kam er nach Stationen in Berlin, Göttingen und Harvard nach Genf und baute das einst kleine Deutsche Seminar zu einem renommierten Institut aus, sein Wirken war prägend für die Germanistik in der gesamten Suisse Romande. Gerade in Tagen wie diesen wird ein Brückenbauer zwischen der französischen und deutschen Sprache und Kultur vermisst, im mit dem Aachener Vertrag neu entfachten deutsch-französischen Dialog wäre ein Bernhard Böschenstein weiterhin gut zu brauchen.

Dionysos war seine antike Lieblingsfigur und seinen Studierenden vermittelte er Leidenschaft und Begeisterung für die schöne Literatur. Auch nach seiner Emertierung 1998 reiste er weiter zu zahlreichen Fachtagungen. Jetzt ist er in Chene-Bougeries bei Genf 87-jährig gestorben. Seine Stimme des Dialogs wird fehlen in dieser Welt.

Text: A. Tennigkeit
Bild: RegnierC

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