Ein Hallschlager auf Höhenflug

Was treibt mich an, was motiviert mich? Und wie gehören Erfolg und Motivation zusammen? Das sind wichtige Fragen für Auszubildende und Berufstätige in der Medienbranche, aber auch in anderen Berufen, die man sich immer wieder neu stellen sollte, wenn man vorankommen will. Genau das tut die Serie “Was motiviert mich, was treibt mich an?”. Sie lässt in loser Folge spannende und erfolgreiche Persönlichkeiten zu diesem Thema zu Wort kommen und stellt sie in Kurzporträts vor. Den Auftakt macht heute ein sehr Erfolgreicher, der nur wenige Meter von der jgs aufgewachsen ist und heute als Manager in seiner Branche zu den Besten zählt:

Sagen wir mal so: Wer in der jgs die Schulbank gedrückt hat, kann es weit bringen im Leben. Sehr weit sogar. Einige Beispiele: Der Fotograf Klaus Mellenthin ist jgs-Absolvent, hat in London, Paris, Berlin und Barcelona gearbeitet und gelebt und sich international einen Namen gemacht. Ein gewisser Joschka Fischer hat seinerzeit an der jgs auch eine Fotografenlehre begonnen, diese allerdings abgebrochen, er ist trotzdem Außenminister in der Schröder-Regierung geworden und heute steinreich. Und Top-Rapper und Teenager-Idol Cro alias Carlo Waibel hat – kurz bevor sein Stern am Musikhimmel aufging – an der jgs und bei den Stuttgarter Nachrichten erfolgreich seine Ausbildung zum Mediengestalter abgeschlossen.

Und: Nur wenige Schritte von der jgs-Hauptstelle in der Rostocker Straße im Stadtteil Hallschlag ist ein Hallschlager aufgewachsen, der fast alles erreicht hat im Profisport: Fredi Bobic. Europameister 1996 in England, Bundesligatorschützenkönig und deutscher Pokalsieger mit dem VfB, damals als Teil des sogenannen magischen Dreiecks, das mit Balakov, Elber und Bobic für Furore sorgte in den späten 90er-Jahren beim VfB.

“Ich war damals beim täglichen Straßenfußball “der Jugo” auf dem Hallschlag, und der Weg nach oben war lang und steil”, erinnert sich Bobic, der das Kicken nur einen Steinwurf von der jgs entfernt zwischen den hässlichen Hochhäusern gelernt hat. Als kleiner Junge träumte er davon, einmal Feuerwehrman zu werden. So jemand muss “in kurzer Zeit die richtigen Entscheidungen treffen, er übernimmt Verantwortung für andere und darf keine Angst haben”, sagt Bobic.

Heute ist er 47 und lebt auf eine etwas andere Weise seinen Kindheitstraum, er ist Manager des Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Doch in diesem Job sind just jene Qualitäten und Eigenschaften gefragt. Und: Er hat es geschafft, aus einer eher grauen Bundesligamaus einen Spitzenclub zu formen. Zunächst der sensationelle Pokalsieg über Bayern München im Sommer und sechs Siege am Stück in der Euroleague. Die Fachzeitschrift Kicker wählte Bobic sogar zum Mann des Jahres 2018.

Klar, sowas geht nicht von heute auf morgen, aber harte und zielführende Arbeit zahle sich eben aus. Davon ist Bobic überzeugt. “Du musst arbeiten wollen. Du musst Freude haben an dem, was Du tust.” Bruno Labbadia, der drei Jahre unter Bobic in Stuttgart Trainer war, sagt: “Er hat über die Jahre ein gutes Netzwerk aufgebaut. Das hilft ihm auch bei Leihgeschäften, bei denen er oft ein gutes Händchen hat.” So gelang es ihm, Torwart Kevin Trapp auf Leihbasis aus Paris zurück an den Main zu lotsen und der kroatische WM-Star Ante Rebic konnte im Sommer gehalten werden, obwohl ihn bereits viele Topklubs Europas haben wollten.

Rebic ist ein wesentlicher Teil eines neuen magischen Dreiecks: Zusammen mit dem jungen Jovic und dem erfahrenen Haller wirbelt der Eintracht-Sturm die Bundesliga durcheinander wie derzeit kein anderes Sturmtrio. Doch Bobic bleibt bescheiden: “Du lernst jeden Tag dazu. Wenn mir einer sagt, er ist schon vollendet oder perfekt, glaube ich ihm nicht.”

Langfristig könnte seine Zukunft auch jenseits des Atlantiks liegen. Er mag die amerikanische Mentalität, sie sei nicht so negativ wie die deutsche. Einmal im Jahr ist er drüben, oft in New York, seiner Lieblingsstadt, und in Philadelphia, wo er sich interessiert ansieht, wie Sport dort gemanagt wird in ganz unterschiedlichen Sportarten, und auch bei Real Madrid und beim FC Barcelona hat er den Verantwortlichen schon über die Schulter geschaut.

Ich habe heute einige Hallschlager rund um die jgs nach Fredi Bobic gefragt. Der Tenor glasklar: Er genießt großes Ansehen hier und man ist stolz auf ihn. “Einer wie der kann’s noch sehr weit bringen”, sagt mir ein älterer Passant voller Anerkennung. Es sei halt “bloß schad”, dass er “wie so viele Stuttgarter erst woanders groß rauskommt und ned hier beim VfB”. Ob er dabei an Profis wie Kimmich, Werner und Gnabry gedacht hat, überlege ich kurz. Dann frage ich ihn. Er nennt mir genau diese drei Namen. “Aber der Prophet zählt halt oft nix im eigenen Land,” sagt er, lacht leise vor sich hin und geht dann fröhlich weiter seines Wegs. Ich schau ihm noch kurz nach und denke, so ganz unrecht hat er nicht.

Fazit: Was sind nun nach Ansicht von Fredi Bobic die wesentlichen Erfolgsfaktoren? Freude an der Arbeit haben, tragfähige Netzwerke aufbauen und lebenslange Lernbereitschaft. Wo er recht hat, hat er recht, oder?

Foto: Rudolf Simon

 

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