Exkursion ins Kunstmuseum zur Ekstase-Ausstellung

Die Idee ist gut: Eine ganze Ausstellung dem Thema “Ekstase” zu widmen, also jenem Zustand des euphorischen Völlig-außer-sich-Seins einmal gezielt nachzuspüren. Ein Phänomen, das sich von der Antike bis in die Neuzeit in ganz unterschiedlichen Formen manifestiert. Beackert werden im Kunstmuseum am Schlossplatz ein ganze Reihe von Bereichen: das Religiös-Spirituelle, Musik, Tanz und Bewegung, Erotik und Sport.

Wir beginnen unseren Rundgang im Erdgeschoss und betreten einen abgedunkelten Raum, an allen vier Wänden sind Leinwände aufgebaut, auf einer läuft ein Video, in dem ein junges Mädchen sich zunächst langsam, ja fast schüchtern zu gut tanzbarer Popmusik bewegt, dann aber immer mehr aus sich herauskommt, um schließlich voll in den Groove zu geraten und eins zu werden mit der Musik: Ihre Bewegungen werden immer heftiger und intensiver im Rhythmus und ihr Gesicht spiegelt diese Veränderung vom verhaltenen Beginn zum glückseligen Finale. Ekstase als ein Prozess, der sich langsam steigert und entwickelt. Daniel M. ist begeistert: “Da sieht man auch sehr schön, wie sie immer selbstbewusster wird und dann ganz in der Bewegung aufgeht.”

Auch im 2. Stock dreht sich vieles um Tanz. Das verzückte Gesicht einer Tänzerin aus der Jahr 1911 lässt erkennen, dass Glücksgefühle beim Tanz keine Erfindung der Stones oder Beatles sind, wie es ein älterer Besucher gegenüber seiner Begleiterin so trefflich auf den Punkt zu bringen versucht. Und auch die drei Tänzerinnen auf dem Bild daneben vergnügen sich gemeinsam voller Freude, ohne gleich in Hysterie zu verfallen.

Eine riesige Fotowand zeigt die vollbesetzte legendäre Südtribüne im Dortmunder Fußballstadion, eine dichtgedrängte schwarz-gelbe Menschenmenge, die wie eine Eins hinter der eigenen Mannschaft steht und in der – zumindest für 90 Minuten – jeder ein Teil des Ganzen sein und in diesem Gemeinschaftserlebnis seine temporäre Identität finden kann. Der Gipfel des Glückserlebnis dann: das gemeinsam bejubelte und verzaubert gefeierte Tor für den BVB.

Sexuelle Lust und Rauschzustände durch Drogen haben auch ihren Platz in der Ausstellung. Was man aber vergeblich sucht, ist eine konzeptionelle Linie, die sich durch die Fülle der 230 Ausstellungsgegenstände zieht. Einige Räume wirken dann doch eher wie ein Sammelsurium aus mehr oder minder zufällig zusammengewürfelten Exponaten. “Gewöhnungsbedürftig”, nennt eine Berufsschülerin das, was sie gesehen hat, eine andere räumt enttäuscht ein, “mit so etwas nichts anfangen zu können”. Doch das Meinungsspektrum am Ende des Ausstellungsbesuchs ist breiter: Caro und Daniel M. sind hellauf begeistert und finden, dass es sich auf jeden Fall gelohnt hat, hierher zu kommen. Nun denn!

Die Ausstellung ist bis 24.2. zu sehen, als Klasse mit Voranmeldung zahlt jeder nur 1 Euro Eintritt, für eine Führung fallen nochmal 1,50 Euro pro Person an.

Fotos: Daniel Friesen, 3FG1

Text: A. Tennigkeit

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