Hyperrealismus vom Feinsten im Franz Gertsch Museum

Tolles Foto, mag der eine oder andere vielleicht jetzt denken, wenn er dieses Bild zum ersten Mal sieht. Doch weit gefehlt: Das ist ein Gemälde des Hyperrealisten Franz Gertsch, das bloß wie eine Fotografie aussieht. Der Schweizer Maler und Grafiker ist in seinem langen Künstlerleben stets seinen eigenen Weg gegangen, hat sich dabei wenig um modische Trends in der Kunstszene gekümmert.

International so richtig ging sein Stern auf der documenta 5 im Jahr 1972 auf. 2002 bekommt er von seinem Gönner und Mäzen Willy Michel ein eigenes Museum in Burgdorf im Kanton Bern, in dem seine großformatigen Arbeiten voll zur Geltung kommen. Und genau dort findet nun anlässlich seines 89. Geburtstags die Ausstellung “Frühling, Sommer, Herbst und Winter” statt.

Der Vier-Jahreszeiten-Zyklus gehört zu den Highlights seines Spätwerks, entstanden sind sie in den Jahren 2007 bis 2011. Ausgangspunkt des Bildes “Frühling”, das oben zu sehen ist, war in der Tat eine ältere Fotoaufnahme, aber eben nur als Vorlage. Rund 3 auf 5 Meter misst die Leinwand, auf die Gertsch das Bild in einem 12-monatigen Arbeitsprozess minutiös und hyperrealistisch gemalt hat. Seine Arbeiten wollen der Realität noch näher kommen als die Fotografie. Ein hoher Anspruch, gewiss, aber wie er den umsetzt, das ist bemerkenswert.

Eindrucksvoll auch seine Porträts, etwa der Sängerin Pattie Smith oder der Verlegertochter Johanna Dichand. Sich selbst porträtiert hat Gertsch nur zweimal in all den Jahren: einmal 1955 als 25-Jähriger und dann noch einmal 1980. Zu seinen prägenden Einflüssen zählt er Hodler und Klee. Und auf einer der Museumswände ist dann auch ein Zitat von Paul Klee zu lesen, das die Malerei von Franz Gertsch ganz gut auf den Punkt bringt: “Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern sie macht sichtbar.”

Die Ausstellung ist noch bis 18. August zu sehen.

Weitere Infos unter www.museum-franzgertsch.ch

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