jgs-Lesetipp: Grad mein Lieblingsbuch: “Die Brücke” von Gerd Presler

Selbstporträt im Studio, Franz Nölken, 1904

Das Büchlein, das ich heute ans Herz legen möchte, hat schlappe 160 Seiten, ist toll bebildert und liest sich unheimlich gut: “Die Brücke” von Gerd Presler aus der Reihe rororo monografien.

Der Autor zieht sein Buch über die expressionistische Künstlergruppe, die in Dresden und Berlin residierte und kurz vor dem 1. Weltkrieg für neue Ideen und mächtig Furore in der Kunstszene sorgte, anders auf als viele andere Autoren, die über diese nur 8 Jahre bestehende, aber sehr erfolgreiche und nachhaltige Gemeinschaft geschrieben haben.

In der Einleitung stellt Presler, emeritierter Professor aus Karlsruhe, die Geburtsstunde der Brücke 1905 und ihr künstlerisches Programm dar. Kapitel 2 widmet sich den “Zeugnissen der Gemeinschaft”, doch ab K 3 geht der fachlich versierte Autor seinen ganz eigenen Weg: Er stellt 13 aktive Mitglieder der Brücke nacheinander vor, und das in alphabetischer Reihenfolge, ein ziemlich ungewöhnliches Vorgehen, das aber erstaunlich gut funktioniert. So kommen einem in diesen gehaltvollen Kurzbios nicht nur die bekannten Brücke-Mitglieder Bleyl, Heckel, Kirchner und Schmidt-Rottluff erneut nahe, sondern man lernt auch weniger bekannte Akteure der Brücke kennen: Cuno Amiet oder Franz Nölken etwa.

Diese Personalisierung setzt sich in den beiden folgenden Kapitel mit 4 “Passiven Mitgliedern” und weiteren Personen “Im Umkreis der Brücke” fort. Das Schlusskapitel widmet sich dann wieder eher traditionell den großen Themen der Brücke-Maler: der Darstellung des menschlichen Akts, der Postkarte als Kunstform, den Farben, der Wiederentdeckung des Holzschnitts und manch Wissenswertem mehr.

Ergänzt wird dieses vorzügliches Büchlein (wie alle Bände dieser Reihe) durch aussagekräftige Zeittafeln, Bibliografie und Namensregister, so dass man nach der Lektüre sich durchaus als belesen in Sachen Brücke betrachten kann. Fazit: rundum lesenwert und gut erschwinglich für 8 Euro 50!

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