jgs-V-Tipp: Quadrate in Bewegung

Gleich links nach dem Eingang erregt eine Installation unsere Aufmerksamkeit, die in Bewegung ist und sich ständig verändert. Das Werk “Säule mit indifferenter Form” von Sebastian Hempel besteht aus vielen aufeinander geschichteten Quadraten, die sich immer neu ineinander verschieben, um dann für eine kurze Zeit in einer Grundordnung zur Ruhe zu kommen, bevor sie sich wieder in Bewegung setzen.

Kurz darauf das riesige Triptychon von Johannes Geccelli, das eine ganze Museumswand beansprucht. Die mächtigen Farbflächen wirken fast wie verschlossene Holztüren, die ins Bild hinein oder aus dem Bild hinaus führen.

Dann das eindrucksvolle “Flow of Matter” des skandinavischen Duos Tommi Grönlund und Petteri Nisunen, einem Werk aus tausenden Metallkügelchen auf einer beweglichen Palette, die auch eine gewisse Zeit stillsteht, um sich dann  zunächst langsam und dann immer schneller werdend in eine kollektive Bewegung zu setzen, die von oben betrachtet wie ein von Wellen bewegtes brausendes Meer wirkt. Faszinierend und auch sehr lautstark.

Zu den absoluten Highlights der Ausstellung gehört der abgedunkelte Raum, den die kanadische Künstlerin Angela Bulloch gestaltet hat. Einziges Objekt darin ist ein aus 12 gleichgroßen Quadraten aufgebauter “Leuchtturm”, der in ständig wechselnden Farbkombinationen ein einzigartiges Wohlgefühlsetting schafft, dem man sich kaum entziehen kann und in dem man gern länger bleiben möchte. Käme da nicht gleich die nächste Besuchergruppe mit einer extrem laut sprechenden Museumführerin, die dem kurzen Zauber ein rasches Ende bereitet. Schade.

Also weiter zu den Arbeiten des südamerikanischen Künstlers Jesus Rafael Soto, der allerdings lange in Paris lebte und arbeitete. Sein eindruckvollstes Werk zeigt 10 farbenfrohe Quadrate, die vor einer dunklen Wandtafel montiert sind und den Eindruck vermitteln – so der durchaus informative Audioguide – als stiegen sie demnächst nach oben und aus dem Bild hinaus, quasi angeführt von dem knallroten Quadrat, das dem Werk auch seinen Namen gibt.

Doch damit noch nicht genug. Der zweite Höhepunkt der Ausstellung ist Achim Zemans Werk “Swirl”, was man hier mit Strudel oder Wirbel übersetzen könnte, eine voller Dynamik wirkende Anordnung von mehreren hundert Acrylglaselementen, die den Betrachter optisch gleichsam in einen Sog hinziehen wollen. Der gebürtige Stuttgarter Künstler, der seit vielen Jahren in Köln lebt, hat diese Arbeit speziell für diese Museumswand etwas verändert und leicht angepasst.

Marli Hoppe-Ritter ist einmal mehr eine sehenswerte Ausstellung gelungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Sie ist bis zum 28. April 2019 im Rittermuseum zu sehen.

  

Bilder und Text: A. Tennigkeit

 

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