Nachruf für Herrn Studiendirektor a.D. Gerd Rittberger

Am 24. Dezember 2018 verstarb der langjährige Stellvertretende Schulleiter der Johannes-Gutenberg-Schule, Herr Studiendirektor Gerd Rittberger, im Alter von 75 Jahren im Kreise seiner Familie. Mitte des Jahres hatte er eine Diagnose erhalten, die wenig Anlass für Optimismus bot; trotzdem war er bis zum Ende voller Hoffnung und Zuversicht.

Gerd Rittberger gehörte zu den längstgedienten Kollegen der JGS und kannte die Schule sowohl als Schüler als auch als Lehrer. 1960 kam er als Druckerlehrling an die JGS. Nach einigen Jahren in der Praxis und im Studium wurde er am 1. Oktober 1973 als Lehrer an der JGS angestellt, ursprünglich für die Fächer Druck und Physik, später für Druck sowie Sozial- und Staatslehre. Seit dieser Zeit durchlief er so gut wie alle Stationen, die man als interessierter und engagierter Lehrer im Laufe einer Lehrerkarriere absolvieren kann: Er war in Lehrplankommissionen tätig, hatte sogar den Vorsitz der Lehrplankommission für Fotografen inne, leitete die Meisterschule, war in der Lehrerfortbildung aktiv, arbeitete bei Kammerprüfungen mit und wirkte als Dozent an der damaligen Fachhochschule für Druck, der heutigen Hochschule für Medien, die Ende der 60er Jahre aus der JGS hervorgegangen war. Von 1992 bis 2007 war er Stellvertretender Schulleiter der JGS, also in einer Zeit, als sich der revolutionsartige Wandel der Druckindustrie von einer traditionellen analogen zu einer multimedialen digitalen Welt vollzog. Wenn es also jemanden gab, der die Entwicklung der Druckbranche und der JGS und deren Strukturen und Besonderheiten bis ins kleinste Detail kannte, dann war es Gerd Rittberger. Er war anerkannter Experte sowohl bei seinen Schülern und Kollegen als auch bei den Fachleuten in der Branche. Es dürfte in Baden-Württemberg und darüber hinaus wenige Beschäftigte der Druckbranche geben, die in ihrem Berufsleben nicht mit ihm zu tun hatten.

Seine Grundhaltung wurde stark beeinflusst von seiner tiefen Verwurzelung im christlichen Glauben. Er leitete daraus nicht nur die hohen Ansprüche ab, die er an andere, aber vor allem an sich selbst stellte, sondern auch ausgeprägte Empathie und großes Verantwortungsbewusstsein für seine Mitmenschen. Dies ermöglichte es ihm, die Kolleginnen und Kollegen bis an die Grenze des Vertretbaren zu unterstützen, wenn dies erforderlich war. Schon in früher Kindheit musste er Selbständigkeit lernen und damit die Fähigkeit, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen. So brachte er sich immer aktiv ins Schulleben ein und war dabei immer konstruktiv, offen und loyal. Unannehmlichkeiten ging er nicht aus dem Weg, und er sagte auch durchaus deutlich, wenn er mit der Arbeit von Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen nicht einverstanden war; er konnte aber auch selbst eingestehen, wenn etwas nicht optimal gelaufen war.

Gerd Rittberger engagierte sich zusätzlich zu seinem Beruf stark in der christlichen Jugendarbeit und der kirchlichen Gemeinde und blieb in diesem Bereich aktiv bis zu seinem Tod.

Neben seinem Glauben waren ihm seine Familie und die Musik, besonders die Oper, immer Rückhalt und Abwechslung. Was man heute als Work-Life-Balance bezeichnet, ist ihm in hervorragender Weise gelungen.

Mit seinen fachlichen, kommunikativen und ausgeprägten menschlichen Stärken hat er bei allen, die mit ihm zu tun hatten, bleibenden Eindruck hinterlassen. Die JGS verliert mit Gerd Rittberger nicht nur einen hochverdienten langjährigen Kollegen, sondern einen liebenswerten Menschen, mit dem man gerne zusammenarbeitete und diskutierte. Er hat sich um die JGS verdient gemacht. Wir werden immer wieder gerne an ihn zurückdenken.

Text: Alfred Schäfer

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