"Weiß ist der Grund" und "Urbane Systeme" -  2FG1 besucht Ausstellungen im Rittermuseum

Treffpunkt Waldenbuch. Die Fotografenklasse 2FG1 freut sich auf ein zeitgenössisches Kunsterlebnis der besonderen Art.
 
Nach dem Erfolg der Ausstellung "Rot kommt vor Rot" 2017 hat sich Marli Hoppe-Ritter, die Enkelin des Firmengründers von Ritter Sport, nun im Obergeschoss ihres Museums in Waldenbuch an eine weitere Farbe als Leitmotiv für eine Ausstellung gewagt. Bei "Weiß ist der Grund" sind Arbeiten zu sehen, bei denen viele Künstler bewusst auf eine vielfältige bunte Farbgebung verzichten und zeigen, dass farblich reduzierte Kunst keineswegs farblos sein muss.
 
Rund 60 Bilder, Objekte und Plastiken aus dem 20. und 21. Jahrhundert gibt es zu sehen. Weiß ist traditionell die Farbe der Reinheit, Stille und Helligkeit. So bewegt sich das Weiß in Raimund Girkes Bild "Ruhe I" von 1988 scheinbar unaufhaltsam vom Zentrum auf alle Bildränder zu, es wirkt wie eine riesige Schneefläche, die in Kürze auch die kleinen dunklen Ränder einzunehmen versuchen wird. Zu den Highlights der Ausstellung gehört sicher auch ein Spätwerk des erst unlängst verstorbenen Francois Morellet, das mit geschickt verschachtelten geometrischen Formen spielt und das in Waldenbuch erstmals öffentlich zu sehen ist.
 
Bemerkenswert auch die dreidimensionale "Spirale" (2002) von Günther Uecker, die eine aus eingeschlagenen Nägeln generierte Kreisstruktur darstellt, die zugleich geschlossen und offen erscheinen soll. Auch andere spielen mit den Sehgewohnheiten der Besucher. Die Schweizerin Rita Ernst etwa, die in ihrem Heimatland und auf Sizilien lebt, reduziert ihr Bild "Catania" auf ganze drei Farben: ganz viel Weiß, etwas Rot und nur wenig Schwarz. So verfremdet sie die farbenprächtige Vorstellung von einer sizilianischen Stadt, die sie beim Betrachter vorausgesetzt, durch gezielte Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche: Punkte, Linien, Quadrate.
 
Noble Feinheit manifestiert sich in den Werken von Marcello Morandini, dessen "Pannello 530" von 2005 auf den ersten Blick fast wie das weißgedeckte Ziegeldach von einem Wohnhaus wirkt, sich beim näheren Hinschauen aber als raffiniertes Spiel mit dreidimensional anmutenden Formen aus schwarzen und weißen Elementen entpuppt.
 
Im Erdgeschoss ist parallel dazu die Einzelausstellung "Urbane Systeme" mit Arbeiten des Kölner Künstlers Ulrich Wagner zu sehen. Das Prunkstück dieser Ausstellung ist ein vom Besucher begehbarer Lichtraum, der einen magisch rot leuchtenden, virtuellen Kosmos entfaltet. Wie durch eine Schleuse kann man den Kunstraum betreten. Die Berufsschüler lassen sich nicht lange bitten. Nichts wie rein ins Vergnügen. Viele staunen über das schrille und intensive Erlebnis und Daniel sagt: "Von Wagners Werken gefällt mir längst nicht alles, aber dieser Lichtraum ist fantastisch."
 
Beide Ausstellungen sind bis 16.9. geöffnet. Der Eintritt für Berufsschüler bis 18 ist frei, ermäßigt 4 Euro.


Fotos: 2FG1 
Text: A. Tennigkeit