jgs-V-Tipp: Die Ausstellung “Almost alive”

Wir betreten den ersten Ausstellungsraum. Vor uns in der Raummitte sitzt ein völlig geschaffter Bodybuilder mit rotem Handtuch über dem Arm, der aussieht, als hätte er gerade eine extrem anstrengende Einheit hinter sich gebracht, in sich gekehrt, ohne jedwede angeberische Attitüde, einfach nur platt vom intensiven Training. Duane Hanson, der Altmeister des Hyperrealismus, hat ihn ebenso geschaffen wie den Cowboy mit Lasso, der gleich daneben steht.

Die meisten Besucher stehen unmittelbar vor der Skulptur einer älteren Frau, die liebevoll ein Baby im Arm hält. Beide wirken auch beim Ganz-nah-Herangehen so fast unheimlich echt, dass man als Betrachter glauben könnte, die Frau könne sich im nächsten Moment einfach erheben und mit dem Kind weggehen. Die Arbeit des Australiers Sam Jinks gehört sicher zu den eindruckvollsten Exponaten dieser Ausstellung.

Riesige Dimensionen hat der nackte Oberkörper eines Mannes, der sich mit beiden Händen quasi aus dem Boden stemmt, ein moderner Phoenix, der nicht aus der Asche, sondern aus dem Hallenuntergrund kommt. Sein Blick ist klar und nach oben gerichtet, er schaut gleichsam über die Besucher hinweg, die ihn fasziniert betrachten.

Noch überdimensionaler ist das 5 Meter lange Riesenbaby, das gerade das Licht dieser Welt erblickt zu haben scheint. Es war tatsächlich “eine schwere Geburt”, so Museumsdirektorin Nicole Fritz, nur mit Ach und Krach habe man die eine halbe Tonne schwere Leihgabe der Scottish National Gallery of Modern Art in die Kunsthalle hieven können.

Doch es finden sich auch kleinere Objekte, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie etwa jene offenbar gerade dem Wasser entstiegene Schwimmerin, auf deren Körper noch die perlenden Wassertropfen vom Baden zu sehen sind, auch sie ist von geradezu perfekt scheinender Echtheit.

Das muntere Spiel mit Wahrnehmung und Wirklichkeit zieht sich durch die mehr als 30 Skulpturen, es macht Spaß und inspiriert, sich mit den auf Menschengleichheit getrimmten Figuren auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung ist noch bis 21.10. zu sehen, bis 18 Jahre ist der Eintritt frei.

Text und Bilder: A. Tennigkeit

 

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