Schlimmer geht immer

Vea Kaiser, Thea Dorn, Jakob Augstein und Marion Brasch © ZDF/Svea Pietschmann

Schlimmer geht immer

Das einzig Gute vorweg: Weidermann und Westermann sind weg. Endlich.

Nun soll also die Krimiautorin Thea Dorn das einst feinsinnig polemische, längst aber ausgelutschte ZDF-Format “Das literarische Quartett” aufpolieren. Mit ihr am Tisch im Berliner Ensemble sitzen drei Personen, die man eher als Autorin, Moderatorin, Verleger und Politjournalist denn als Literaturkritiker im Gedächtnis hat. Doch bevor sich die Frage der Fachkompetenz oder Eignung stellt, lüftet Dorn prompt den Schleier über das Geheimnis dieser Zusammensetzung: Man kenne sich schließlich seit Jahren und künftig wähle sie aus, wer zu welcher Sendung eingeladen werde. Wenn das mal gutgeht, denkt sich da mancher.

Und dann geht das Geplauder auch schon los: Der Verleger soll sein ausgewähltes Buch in 90 Sekunden vorstellen, Dorn stellt die Sanduhr als sanftes Druckmittel auf los. Das schafft er natürlich nicht, versteigt sich aber letztlich zu der entwaffnend einfältigen Bemerkung, ob das vorgestellte neue Buch von Moritz von Uslar Literatur sei oder nicht, interessiere ihn nicht. Soso, vielleicht wär’s dann doch besser, über Mode oder Fußball zu diskutieren, wenn solche Fragen sich der Runde gar nicht stellten, denkt der gelernte Literaturwissenschaftler und Zuschauer für einen Moment in einem ersten Anflug von leichter Verzweiflung.

Doch eine der beiden Autorinnen, eine heutige Radiomoderatorin, die nie an der Uni auch nur ein Proseminar besucht hat, legt gleich munter nach. Ihr einziger Kritikpunkt an diesem tollen Buch sei, dass der Autor das hochdeutsche “Ich erinnere” schreibe. Das würde ein Brandenburger nie sagen, meint sie, sondern vielmehr “Ick erinner mich”. Hört, hört, und mit einer atemberaubend eigentümlichen Dialektik fährt sie im nächsten Satz sich dann selbst in die Parade, indem sie siegersicher sagt: “Was ich ihm vorwerfe: Wenn er ab und zu anfängt, Dialekt zu schreiben, dann denk ich mir: Lass es einfach, Du kannst es nicht.” Ein leicht seufzendes Soso reicht hier nicht mehr bei so viel unfreiwilliger Komik und so wenig Sachverstand.

Aber es gibt ja noch die Vierte im Bunde, eine Altphilologin, die den Autor mit Herodot vergleicht. Geht hin und schaut es Euch an. Das geht Dorn dann doch etwas zu weit und sie hält anstelle von Herodot, auf den sie wohl nicht vorbereitet war, zwei Bücher von amerikanischen Autoren aus dem 20. Jahrhundert in die Kamera, auf deren Spuren sie selbst von Uslar sieht. Tom Wolfe ist einer davon, den anderen ersparen wir uns.

Um sich um jedwede ernsthaft betriebene Literaturkritik herumzumogeln, beschließt die Runde dann kurzentschlossen, sich dem nächstem Buch zuzuwenden, schließlich könne das eben besprochene Buch jeder ja so lesen, wie er es wolle. Welch noble Geste in eine solche Runde. Den allermeisten dürfte dieser lapidare Befund auch vorher schon klar gewesen sein. Da hilft nur noch: Format absetzen, und zwar sofort.

Ein Glosse von Hans G.

 

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