Heute im Porträt: Ulrich Tukur

Das Licht dieser Welt erblickt Tukur im südhessischen Viernheim als Sohn schwäbischer Eltern. Er beginnt ein Lehramtsstudium in Tübingen und zieht als akkordeonspielender Straßenmusiker durch die Unistadt. Bald merkt er, dass die Pädagogik nichts für ihn ist, er geht nach Stuttgart und absolviert ein Schauspielstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Sein erstes festes Theaterengagement führt ihn nach Heidelberg, 1996 wird Regisseur Peter Zadek auf ihn aufmerksam, das ist der Anfang einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit. Als Zadek 2009 stirbt, verlässt Tukur die Theaterbühne und stürzt sich ins Filmgeschäft. Dort wird mit gutgemachten Filmen wie Das Leben der Anderen, Ein fliehendes Pferd, Bonhoeffer – die letzte Stufe und Stauffenberg schnell zu einer festen Größe im Geschäft.

Privat zieht er mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, nach Venedig und wohnt fast 20 Jahre dort. Nach einem Zwischenstopp in Lugano ist er jetzt in Berlin gelandet. „Dass nichts funktioniert, vor allem das Gesundheitssystem nicht, und die kafkaeske Bürokratie – das hat uns auf die Dauer zu schaffen gemacht,“  sagt er im Rückblick, gleichzeitig fehle ihm hier natürlich die italienische Lebensart.

Die Pandemie setzt ihm zu: keine Konzertbesuche, alle Kneipen dicht und die gedrückte Stimmung in der Millionenstadt. Aus der Not macht er eine Tugend. Er beginnt zu schreiben: einen Erzählband, eine Novelle und einen Roman und stellt fest, dass Texterstellung andere als ein Selbstläufer ist. „Beim Schreiben hilft dir kein Mensch. Du musst sehen, wie du irgendwie 350 Seiten zusammenkriegst. Das ist Mordsarbeit, das ist Kunst“, lautet sein Fazit.

Er spielt in einer Band, die sich auf Songs aus den 1920er-, 30er- und 40ern-Jahren spezialisiert hat. Die Musik sei ihm die liebste aller Künste, weil sie so unmittelbar direkt von Herz zu Herz wirke.

Eine weitere Facette einer Persönlichkeit: Bis heute besitzt er kein Smartphone. Ganz bewusst. „So viel Autonomie bewahre ich mir.“ Tukur bleibt ein außergewöhnlicher Mensch mit vielen Ecken und Kanten.

Foto: Krd

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