Katharina Grosses Farbexplosion gegen den Kommerz

Katharina Grosses Installation „It Wasn’t Us“ (Courtesy König Galerie, Berlin, London, Tokyo/Gagosian/Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder © Katharina Grosse/VG Bild-Kunst, Bonn) (Jens Ziehe)

Im Museum für Gegenwart “Hamburger Bahnhof” in Berlin ist heute die Ausstellung “It wasn’t us” mit einem riesigen Farbenspiel der Künstlerin Katharina Grosse eröffnet worden. Auf fast 200 Metern Länge ragt das eindrucksvolle Werk über das Museumsinnere nach draußen hinein in die Großstadt.

Und: Man darf sogar mit dem Fahrrad über das Kunstwerk fahren. Hinter dem Museum Hamburger Bahnhof hat die renommierte Künstlerin zwischen Grasflächen und Appartementhäusern einen wilden Parcours angelegt.

„Ich stelle mir vor, wie ich ein Bild einschleusen kann in eine gegebene Situation, dass sich die Hierarchie neu organisieren muss. Die gegebene Situation ist alles, die Halle, das Außen, die vielen Stimmen der Leute, die drumherum wohnen. Mein Team, die Zeit, das Wetter, der Wind, der Regen, alles, was die Situation bestimmen kann, wird Teil der Überlegungen oder auch der Handlungen“, sagt Katharina Grosse.

Hamburger Bahnhof lautet auch die noble Wohnadresse. Während die Immobilienfirmen von der Nachbarschaft zum Museum der Gegenwart profitieren, sind sie gerade dabei, diesem Museum einen Flügel zu stutzen. Die Rieckhallen, Domizil der Friedrich Christian Flick Collection, sollen Bürotürmen weichen.

Vor diesem Hintergrund der Kommerzialisierung des Terrains ist die opulente Installation von Katharina Grosse als Zeichen des Aufbegehren zu verstehen und als eine Einladung, neue und ganz  andere Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. „Meine Aufgabe ist genau das: Alternativen aufzuzeigen, für Möglichkeiten, die wir normalerweise nicht sehen”, so Grosse.

Gabriele Knapstein, Leiterin des Hamburger Bahnhof, hat beobachten können, wie das Werk entstand. Erst brachten LKW den Bildträger aus Styropor. „Und dann kam die Farbe. Das war ein ganz beeindruckender Moment. Nachdem hier über Wochen die Folie auf dem Boden aufgetragen war, kam die Sensation der Farbe. Zunächst ein Gelb, dann ein Rot, ein Blau, ein Grün. Und das veränderte das Bild jeden Tag. Denn Katharina Grosse hat jeden Morgen begonnen, wieder eine nächste Malschicht auf dieses multidimensionale Werk aufzutragen“, sagt Knapstein zum Entstehungsprozess.

Das mächtige Kunstwerk wird nach dem Ende der Ausstellung wieder verschwinden. Diese Unabhängigkeit will als eine furchtlose Alternative zur Ökonomisierung des innerstädtischen Raums verstehen werden.

Die Ausstellung “Katharina Grosse. It wasn’t us” ist vom 14. Juni 2020 bis 10. Januar 2021 geöffnet.

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