Wie wichtig es ist, Fotografie nicht nur im Unterricht zu besprechen, sondern ihr unmittelbar zu begegnen, zeigte die Exkursion der Fotografenklasse 1FG1. Gemeinsam mit ihrem Lehrer Tom Öttle besuchten die angehenden Fotograf:innen am 28. Juli 2026 das Haus der Geschichte Baden-Württemberg und die Staatsgalerie Stuttgart.
Ein Schwerpunkt des Tages war die Fotoausstellung „UNORDNUNG“, die vom 18. Juli bis 13. September 2026 in der Staatsgalerie zu sehen ist. In THE GÄLLERY – Raum für Fotografie, einem gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung geschaffenen Ausstellungsraum im Erdgeschoss der Alten Staatsgalerie, präsentiert die jurierte Ausstellung des Fotosommer Stuttgart Arbeiten von 23 Künstler:innen. Ihre Werke beschäftigen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Unordnung: als sichtbares Chaos, als Verlust vertrauter Strukturen, aber auch als etwas, das sich unter einer scheinbar geordneten Oberfläche verbergen kann.
Gerade für die Schüler:innen liegt darin ein besonderer Wert solcher Exkursionen: Sie erleben unterschiedliche fotografische Handschriften und Bildsprachen im Original, können neue Sichtweisen kennenlernen und die eigene Arbeit hinterfragen. Aus dem Betrachten kann so Inspiration für die eigene fotografische Praxis entstehen. Auch Tom Öttle zeigte sich von der Vielfalt beeindruckt: Die Ausstellung sei „wieder sehr spannend“, insbesondere im Hinblick darauf, „wie unterschiedlich die Fotografinnen und Fotografen mit dem Thema Unordnung umgehen“.
Dass die Auseinandersetzung mit Fotografie heute weit über Gestaltung und Technik hinausgeht, machte der zweite Ausstellungsbesuch deutlich. Im Haus der Geschichte führt „Echt jetzt?! Fotografien. Retusche. Deepfakes.“ von historischen, handgefertigten Fotoretuschen bis zu aktuellen KI-Deepfakes. Die Klasse konnte in Mitmach-Bereichen sogar selbst verschiedene Formen der Bildmanipulation ausprobieren.
Tom Öttle fasst eine besonders eindrückliche Erfahrung zusammen: „Es war spannend zu sehen, wie weit die KI bereits fortgeschritten ist. Bei einem Test wurden im Schnitt nur die Hälfte der Bilder als KI generierte Fotos erkannt. Deep Fake!“ Damit berührt die Exkursion auch eine gesellschaftlich wichtige Frage. Wenn KI-generierte Bilder immer schwerer von Fotografien realer Ereignisse zu unterscheiden sind, kann dies die Grenze zwischen Realität, Inszenierung und vermeintlichen Fakten verwischen. Deepfakes können dadurch auch zu einer Gefahr für demokratische Meinungsbildungsprozesse werden. Umso wichtiger wird Bild- und Medienkompetenz: Bilder nicht nur zu produzieren und ästhetisch zu beurteilen, sondern ihre Entstehung, ihre Aussage und ihre Glaubwürdigkeit kritisch zu hinterfragen.
Genau hier zeigt sich der Wert von Exkursionen für die Ausbildung: Lernen findet nicht nur im Klassenzimmer statt. Die unmittelbare Begegnung mit Kunst, aktuellen Technologien und gesellschaftlichen Fragestellungen eröffnet neue Perspektiven, regt Diskussionen an und kann die Schüler:innen dazu inspirieren, ihre eigene Rolle als zukünftige Fotograf:innen bewusster zu reflektieren.
Wer sich selbst auf die Spur von Fotografie, Manipulation und Deepfakes begeben möchte, kann die Ausstellung noch bis zum 4. Oktober 2026 besuchen.
Text: Alina Röck Fotos: Tom Öttle

Architektur der Staatsgalerie Stuttgart aus ungewöhnlicher Perspektive: Die geschwungene Glasfassade und die steinernen Gebäudeteile treffen auf klare Linien und geometrische Formen.

Geschichte erleben: Der markante Rundbau des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart.

Die Fotografenklasse beim gemeinsamen Ausstellungsbesuch – mit einem spielerischen Blick auf die Kunst.

Die Staatsgalerie Stuttgart in kontrastreichem Schwarz-Weiß. Foto: Tom Öttle.

Markante Architekturdetails der Staatsgalerie Stuttgart.

Interaktive Station der Ausstellung „Echt jetzt?!“, an der die Fotografenklasse Bildwahrnehmung und Manipulation spielerisch erkundet.

Bildmanipulation zum Ausprobieren in der Ausstellung „Echt jetzt?!“.

Die 1FG1 informiert sich über die Ausstellung „Echt jetzt?! Fotografien. Retusche. Deepfakes.“

Architektur und Lichtspiel im Treppenhaus des Haus der Geschichte.




