Ein ganz breites Spektrum an Autoren drückt diesem Jahrzehnt seinen literarischen Stempel auf, ohne dass sich dafür ein angemessener Oberbegriff finden ließe, zu vielfältig sind die Stimmen, die diese Zeit bis 1930 prägen: der späte Rilke, der junge Brecht, Zuckmayer, Hesse, Thomas Mann, Döblin, Tucholsky und Kisch. Gehen wir auf literarische Spurensuche:
Die Metropole Berlin steht im Zentrum von gleich zwei wichtigen Romanen dieser Zeit: dem Großstadtroman Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin, in dem ein entlassener Häftling, der jetzt ein besseres Leben führen will, in die Mühlen der Großstadt gerät, zerrieben wird und scheitert sowie Erich Kästners Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten, der jetzt am 5. August auch als Verfilmung unter dem Titel Fabian oder der Gang vor die Hunde in die deutschen Kinos kommt.
Hermann Hesse, der dann 1946 den Literaturnobelpreis erhält, ist in die Schweiz übergesiedelt und veröffentlicht mit Siddharta 1922 und Der Steppenwolf 1927 zwei seiner wichtigsten Werke.
Zum literarischen Ereignis 1924 und zu einem Bestseller wird Thomas Manns Der Zauberberg, ein Roman, der in der Abgeschiedenheit einer alpinen Lungenklinik in Davos spielt. Sein älterer Bruder Heinrich Mann hatte mit Der Untertan bereits 1918 ganz andere Akzente gesetzt.
In der Lyrik steht diese Zeit im Zeichen des Spätwerks von Rilke, der 1926 in Montreux am Genfer See stirbt.
Es ist aber auch die Zeit des jungen Brecht, der mit seinem Erstlingswerk Trommeln in der Nacht 1922 aufschlägt und gleich dafür den Kleist-Preis bekommt. 6 Jahre später gelingt ihm mit Der Dreigroschenoper sein größter Erfolg.
Großen Erfolg feiert auch Carl Zuckmayer mit seinem kernigen Lustspiel Der fröhliche Weinberg, das sich auf Berliner Bühnen zum Dauerbrenner entwickelt. Übertroffen wird dieser Erfolg allerdings noch durch Zuckmayers durchaus etwas hintergründigere Komödie Der Hauptmann von Köpenick, die zum Klassiker dieses Genres avanciert und bis heute maßgeblich seinen Ruhm begründet.
Mit Kurt Tucholsky und Egon Erwin Kisch betreten zudem zwei kritische Geister das literarische Parkett und schlagen ganz andere Töne an. Kisch macht sich mit seinen hautnah recherchierten Reportagen aus der Arbeitswelt einen Namen und entwickelt sich zum rasenden Reporter, Tucho nimmt vom schwedischen Exil aus die deutsche Gesellschaft und ihre Defizite mit schlagfertiger Berliner Schnauze aufs Korn. Beide bringen frischen Wind in die Literaturszene jener Zeit.





