Eine Geschichte mit vielen Ups and Downs: Das Sonett in der deutschen Lyrik

 

Manche denken beim Sonett vor allem an Gedichte von Shakespeare, Dante oder Petraca, in Deutschland gelangt diese klar strukturierte Gedichtform erst mit den Barocklyrikern Andreas Gryphius und Paul Fleming in ein breiteres öffentliches Bewusstsein. Freilich hat Martin Opitz mit seinem “Buch von der deutschen Poeterei” bereits 1624 die Grundlage dafür gelegt:

Rückblick: Gryphius erlebt den 30-jährigen Krieg hautnah, hat bereits in jungen Jahren schwere Verluste und Schicksalsschläge zu verkraften und schafft die Verbindung der Sonettform mit dem barocken Lebensgefühl der Vanitas, dem Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit, das im Carpe diem (Nutze den Tag) seinen positiven Gegenpol in jener Zeit fand. Paul Flemings Sonett “An sich”  gehört zu den besten dieses Genres, das Gryphius-Gedicht “Morgensonett” ebenso.

Danach gerät das Sonett vorübergehend ziemlich aus der Mode, erst Gottfried August Bürgers Gedichtssammlung von 1789 widmet sich ihm wieder ausführlich. Schlegel macht das Sonett schließlich für die Romantiker salonfähig, befreit es von allzu Althergebrachtem und erkennt das philosophische Potenzial, das in die Form liegt.

Doch die Sonettform bleibt umstritten, wird von vielen auch als überholt angesehen und gemieden. Goethe hingegen bekennt sich ganz klar dazu wie einige der Vormärzliteraten.

Im 20. Jahrhundert erneuern dann Rilke, George und Hofmannsthal das Sonett, und auch Expressionisten wie Trakl oder Heym greifen darauf zurück. Im Nationalsozialismus stellen die christlichen Autoren Reinhold Schneider und Jochen Klepper dem brutalen Barbarentum der Machthaber Sonettgedichte entgegen. Nach 1945 gilt das Sonettgedicht erneut lange Zeit als literarisches Auslaufmodell. Erst in den Siebzigerjahren füllen Ulla Hahn und Eugen Gomringer es mit neuen Inhalten, später findet man es dann auch bei Jan Wagner wieder.

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