Ibsens Gesellschaftsdramen im Exil

Seine klug konzipierten Gesellschaftsdramen zählen bis heute zu den meistgespielten Stücken auf deutschen Theaterbühnen: Henrik Ibsen. 27 Jahre verbrachte der Norweger im freiwilligen Exil in Italien und Deutschland, bevor er wieder in sein Heimatland zurückkehrte:

Dass der Prophet zunächst im eigenen Lande nichts zählt, hat Ibsen am eigenen Leib erfahren.

Zwar gelingt ihm mit “Brand” 1864 ein Achtungserfolg in Norwegen, dennoch fühlt er sich dort verkannt und emigriert nach Rom, später lebt er in Dresden und München.

Das dramatische Gedicht “Peer Gynt” wird 1867 sein erster Riesenerfolg. Edvard Grieg, Norwegens berühmtester Komponist, schreibt die Musik dazu. 1873 kommt dann “Kaiser und Galiläer” heraus, für Ibsen sein Hauptwerk, auf den europäischen Bühnen kommen andere Werke von ihm besser an. Etwa das großartige “Stützen der Gesellschaft” (1877), das den Beginn des modernen naturalistischen Gesellschaftsdrama markiert.

Nun schwimmt Ibsen auf einer großen Erfolgswelle. “Nora oder ein Puppenheim” gilt bis heute als wesentliches Frühwerk zum Thema Emanzipation der Frau, die Verfilmung mit Jane Fonda wird ebenfalls ein Renner im Kino.

Der Optimismus, der Frühwerke wie “Stützen der Gesellschaft” geprägt hatte, verschwindet zunehmend in Ibsens späteren Dramen, der Erfolg bleibt ihm jedoch treu bei “Gespenster”, “Ein Volksfeind”, einem frühen Stück über ökologische Fragen oder “Die Wildente”.

Mit Ibsen verbindet sich auch der Begriff des analytischen Dramas, bei dem im Lauf des Stücks unerwartete Wahrheiten ans Licht kommen, von denen der Zuschauer zunächst nichts ahnt, fast wie bei einem Kriminalfall, der von hinten aufgerollt wird.

Mein Lieblingsstück des größten Dramatikers des 19. Jahrhunderts ist “Die Frau vom Meer” von 1888, ein Stück, das um die Themen Freiheit und Wahrheit kreist.

Ibsen selbst kehrt 1891 wieder nach Norwegen zurück und stirbt 1906 in Christiania, dem heutigen Oslo.

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