Komikerduos in der Literatur vom 17. bis 20. Jahrhundert

Don Quijote und Sancho Pancho in Madrid

Der Spanier Cervantes bereitet Anfang des 17. Jahrunderts mit dem legendären Komikerduo Don Quijote, dem Ritter von der traurigen Gestalt, dem vieles missglückt, und seinem alerten Diener Sancho Pancha den Boden für diese klassische Figurenkonstellation, die auf der Theaterbühne, in der Literatur und im Film so lange lebendig bleiben konnte. Jetzt ist Zeit, mal etwas genauer hinzuschauen:

Die Commedia dell’arte mit ihren Masken und Typisierungen greift dieses Muster gern auf und bedient es mit Archellino, dem Harlekin, der naiv, verfressen und fröhlich die Stimme des Volks repräsentiert, und Brighella als unsympathischer, oft hinterhältiger Gegenspieler.

Auch Shakespeare, der Altmeister des dramatischen Schaffens, lässt komische Charaktere in seinen Stücken auftreten: etwa die beiden Totengräber im Hamlet, die sich – das Publikum belustigend – über Tod und Leben unterhalten. In Was ihr wollt geben Sir Tobias Rülp und Ritter Bleichenwang ein Komikerpaar und in Der Sturm, seinem letzten Bühnenstück, sind es die beiden Saufkumpel Trinculo und Stephano, die das Publikum amüsieren.

Der Dichter und Schauspieler Johann Nestroy und sein Bühnenpartner Wenzel Scholz führen diese Tradition im Vormärz fort und erlangen damit eine bemerkenswerte Berühmtheit. Nestroy selbst war groß, schlank und hager, Scholz klein und untersetzt und hatte ein rundes, meist unbewegtes Gesicht mit flinken, munteren Augen.

Nestroy schrieb viele Rollen sich und Scholz auf den Leib: den Schuster Knierim und Schneider Zwirn, den Millionär Herrn von Lips und den Schlosser Gluthammer sowie Sohn Wendelin und Vater Pfrim. Die Komik entstand durch das geschickte Zusammenspiel der beiden Bühnenfiguren. “Alle Schärfe und Beweglichkeit fiel Nestroy zu, alles Breite und Behagliche Scholz. Nestroy musste sich seinen Erfolg auf der Bühne stets neu erringen, Scholz hatte schon gewonnen, wenn er erschien. Scholz war ein Vertreter der statisch duldenden, Nestroy ein Repräsentant der aktiven, angreifenden Komik.”

In der Stummfilmzeit greift man dann mit Pat und Patachon, Dick und Doof und vielen anderen Komikerduos auf dieses längst bewährte Rezept zurück, und auch das absurde Drama nach dem 2. Weltkrieg, etwa in Becketts Warten auf Godot, stellt mit den beiden Hauptfiguren Wladimir und Estragon zwei landstreichende Clowns auf die Bühne, die auf lächerliche Art und Weise die Zeit verdaddeln, ohne etwas daraus zu machen.

Auch in Endspiel und in seinem Roman Mercier und Camier nutzt Beckett diese altbewährte Schablone, um sie mit neuem Inhalt zu füllen. In absurder Komik wird die gemeinsame Reise von zwei Tramps erzählt, die – nur mit einem Fahrrad, einem Regenschirm, einem Wettermantel und einem Sack ausgerüstet – eine Reise vorhaben, auf der sie natürlich nicht weit kommen.

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