Vagabund und Arbeitstier zugleich: der Komponist und Klaviervirtuose Franz Liszt

Franz Liszt 1839, Porträt von Henri Lehmann

Wenn es so etwas wie einen Vagabunden der Musik des 19. Jahrhundert gäbe, käme man an dem Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt nicht vorbei. Jahrezehntelang tourte er kreuz und quer durch Europa und fand erst im gesetzten Alter eine Heimat in Weimar. Unser Rückblick auf eine schillerne Musikerpersönlichkeit:

Liszt gilt schon früh als Wunderkind, mit 9 gibt er seine ersten Konzerte, mit 12 zieht die Familie von Ungarn nach Wien, um die Karriere des Einzelkindes voranzubringen, dann nach Paris, dort wird der Teenager als Klaviervirtuose schnell berühmt. Zusammen mit seinem ehrgeizigen Vater, der ihn fördert und formt, geht es auf ausgedehnte Konzerttournee durch Frankreich und England.

Franz ist gerade mal 15, als sein Vater mit 50 Jahren stirbt. Er fällt in ein tiefes Loch und lebt mit seiner Mutter als Klavierlehrer in Paris. Zwei Jahre später lernt er dann Intellektuelle und Schriftsteller wie Hugo, Balzac, Heine und George Sand kennen. Über diese Pariser Promis trifft er bald auch die musikalische Creme de la Creme seiner Zeit: Mit dem exzentrischen Berlioz verbindet ihn bald eine enge Freundschaft, Chopin und Rossini schätzen ihn sehr, Mendelssohn Bartholdy zeigt sich weniger angetan von Liszts Arbeit. Es ist die Zeit, in der er lernt, auf eigenen Füßen zu stehen, er ist gerade mal 21.

Als er die 6 Jahre ältere Gräfin Marie Agoult kennenlernt, beginnt eine leidenschaftliche, aber schwierige Beziehung zwischen den beiden. Mit ihr zieht er durch die Schweiz, zwei Jahre verbringen sie danach in Italien. Als das Geld knapp wird, tourt Liszt ohne sie monatelang ruhelos durch Europa: Das Publikum liegt ihm zu Füßen, doch die beiden entfremden sich immer mehr und 1843 trennen sie sich.

Ein neues Kapitel in der Vita dieses rastlosen Tourneemusikers beginnt bald darauf: Großherzog George Friedrich ernennt ihn zum Kapellmeister in Weimar, doch Liszt kommt zunächst seinen Pflichten kaum nach und reist weiter durch Europa. In Kiew lernt er Carolyne zu Sayn-Wittgenstein, die zweite große Liebe seines Lebens, kennen. Sie gibt dem ruhelosen Vagabunden Halt und versteht es, ihn zu einem ruhigen gemeinsamen Leben in Weimar zu bewegen. Die Folge sind seine künstlerisch produktivsten Jahre.

Liszt stirbt 1888 auf einer Reise in Bayreuth. In Weimar erinnert bis heute die Hochschule für Musik Franz Liszt an sein dortiges Wirken.

Wer noch etwas tiefer schürfen möchte, dem sei die Liszt-Biografie von Oliver Hilmes empfohlen.

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