Zur Renaissance des Flanierens im Lockdown: “Jeder Spaziergang ist ein Unikat”

Schon der griechische Philosoph Aristoteles wusste um den Wert von Bewegung und trug seine Lehren auf und ab gehend vor. Von Petrarca wird berichtet, dass er auf einer Wanderung auf den Mont Ventoux in der französischen Provence die Welt und den Blick darauf ganz neu ordnete.

Auch andere Geistesgrößen wie Rousseau, Goethe, Kierkegaard oder Benjamin waren leidenschaftliche Spaziergänger. Walter Benjamin etwa sammelte Eindrücke für sein philosophisch-literarisches Werk, indem er über die Boulevards der französischen Hauptstadt flanierte.

Die plötzliche Renaissance des Flanierens, neudeutsch auch walk and talk oder lockdown walk genannt, bringt die SZ so auf den Punkt: „Was soll man auch anderes machen in diesen Zeiten? Früher traf man sich mit Freunden zum Essen oder auf ein Bier. Heute trifft man sich zum lockdown walk.“ Während derzeit also viele Menschen auf der ganzen Welt den Spaziergang für sich entdecken, als Möglichkeit, um mit den besten Freunden Zeit zu verbringen, zur Gesundheitsförderung, zur Entspannung oder einfach nur, um einmal die eigenen vier Wände zu verlassen, gibt es an der Kunsthochschule Kassel sogar eine Professur für Promenadologie, die Martin Schmitz innehat.

Er erforscht den Nutzen des Promenierens mit wissenschaftlichen Methoden. In vielen Metropolen gebe es bereits Initiativen, die Stadt wieder fußgängerfreundlicher zu gestalten, etwa in Paris, dessen Bürgermeisterin kürzlich ankündigte, die berühmteste Prachtstraße der Hauptstadt, die Champs-Elysees, in einen „großen Garten“ verwandeln zu wollen, sagt Schmitz, gleichsam als Zeichen für die Rückkehr zum Menschen als Maß aller Dinge. Klingt nicht schlecht. So etwas wie eine Formel für einen guten Spaziergang gebe es freilich nicht, so Schmitz, schließlich könne man immer neue Dinge entdecken. Und: „Man kann die Strecke wiederholen, aber nie den Spaziergang. Jeder Spaziergang ist ein Unikat.”

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